Clubgeschichte

Meine erste Begegnung mit dem X

von Ingo Ruppe

Alles begann im Januar anno 1993 als mich ,,Vater Staat aufs höflichste aufforderte meiner Pflicht als Staatsbürger nachzukommen. Ich wurde zur Bundeswehr einberufen. Nach einem Vierteljahr Grundausbildung stellte sich heraus, daß ich einer der wenigen war, die einen LKW Führerschein machen durften. Ich war gerade 19 Jahre alt. Mit viel Glück bestand ich sogar  (das wäre eine Story für sich) die Fahrprüfung und so kam ich mit drei weiteren Kameraden nach  Gießen, wo ich einen Gefahrguttransportschein machen durfte. Jetzt durfte ich  Sprengstoffe aller Art transportieren.

Als wir nun im Juli 1993 auf einer Übung waren fuhren wir in einer Kolonne in der Nähe von Würzburg. Dabei kamen wir auch über die (alte) Zeller Brücke. Nachdem wir im Zellinger Wald untergezogen waren, teilte ich  meinem Kolonnenführer mit, daß ich eigentlich nicht über diese Brücke hätte fahren dürfen. Sie war für LKW über 10 Tonnen gesperrt. Mein LKW war der  schwerste der Kolonne. Er hatte 11 Tonnen Leergewicht. Außerdem  hatte ich ca. 7 Tonnen Minen geladen (Attrappen). Mein Kolonnenführer bedankte sich bei mir und  versprach auf dem Rückweg eine andere Route zu nehmen. Nachdem  die Übung endlich  beendet war machten wir uns wieder auf den Rückweg zur  Kaserne. Als wir  wieder in Richtung Zeller Brücke fuhren war ich gespannt, ob  mein  Kolonnenführer sein Versprechen halten würde. Und tatsächlich, er fuhr an  der  Brücke vorbei. So  fuhren wir nun über den Zeller Bock nach Würzburg rein. (Der Zeller Bock ist für sämtliche LKW gesperrt).

Gleich nach dem Ortsschild Würzburg befand sich ein  Gebrauchtwagenhändler. Und da stand er: Rot Sportlich und vorbei. Wie gerne hätte ich nun angehalten um ihn mir genauer an zu schauen, aber mitten in einer Lkw-Kolonne der Bundeswehr kann man das ja wohl schlecht. Also fragte ich meine beiden Beifahrer, ob sie wüssten was das wohl war? Doch keiner konnte mir  das beantworten. Zurück in der Kaserne hatten wir erst einmal viel Arbeit. Ausrüstung reinigen, sortieren und nachzählen. LKW abladen und reinigen uvm. So wurde es Wochenende bis ich endlich aus der Kaserne kam.

Es war nun Freitag nachmittag und ich fuhr mit meinem VW Jetta (1) nach Würzburg um mir diesen Wagen noch mal genauer anzuschauen. Er stand  tatsächlich noch da. Rot, Sportlich, Tief klein. Was war das bloß für ein Auto? Noch nie zuvor hatte ich so ein Auto (bewusst) gesehen. Das Büro des Händlers hatte noch geöffnet, also ging ich entschlossen hinein. Einer der beiden Inhaber fragte höflich ob er mir helfen könne. Daraufhin bekundete ich ernsthaftes Interesse an diesem roten Auto und bat darum mich mal reinsetzen zu dürfen und den Motor anzulassen. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich natürlich, daß ich mir dieses Auto nicht leisten konnte, denn egal wieviel er kosten würde es wäre zu viel für jemanden der im Monat nur 500 DM ausgezahlt bekommt. Der Händler suchte den Schlüssel in seiner Schublade und fragte seinen Kollegen: ,,Meinst Du der Wagen springt an ?”  worauf der Andere antwortete ,,Probiert´s halt mal” worauf ich plötzlich ein ungutes Gefühl hatte. Denn wenn ich mir einen neuen  ,,Gebrauchten” zulege, dann setze ich doch voraus das der Wagen anspringt – oder?

Nach einigen Versuchen sprang er tatsächlich an, worauf ich mich hineinsetzen durfte. Wenig Platz, aber gutes Motorengeräusch. Beim Gespräch erfuhr ich nun das es sich um einen X 1/9 handelte. Zwar hatte er einige Rostecken, aber er sollte ja nur 3900 DM kosten. Das war zu viel. Ich wollte gerade wieder aussteigen und dem Händler mitteilen das aus dem Geschäft nichts werden würde, da kam sein Kollege aus dem Büro auf uns zu und erinnerte ihn an das Dach. Noch im Wagen sitzend wußte ich nicht was er meinte, als plötzlich beide anfingen am Dach rumzufummeln. Kurze Zeit später hatten sie das Dach abmontiert und irgendwo vorne verschwinden lassen. Ich war platt vor Staunen. Ich saß nicht nur in einem Sportwagen, sondern auch noch mit ohne Dach. Außerdem sah er noch gut aus, sowohl mit, als auch ohne Dach. Die meisten Cabrios  gefallen mir nicht wenn sie geschlossen sind. Aber der –  Boh!

Mir fiel auf, das dieser kleine X 1/9 für seine Größe recht breite Reifen hatte. Ich sagte dem Händler ich könne das Auto nicht nehmen. Als er fragte warum, erklärte ich ihm das der Vorbesitzer Krebs gewesen sein musste, weil ein Krebs auf den Felgen zu sehen ist, ich aber bin Löwe. Schließlich kann ich nun nicht mit einem Krebs auf den Felgen rumfahren. Dem Händler fiel darauf auch nichts mehr ein. Von einer Firma ,,Abarth” wussten wir beide schließlich nichts.

So wurde nun nichts aus dem X weil dazu einfach das Geld fehlte. Ich erzählte natürlich meinen Beifahrern und meinen Stubenkameraden von diesem Besuch und das ich wohl irgendwann mal einen fahren werde. So ging nun meine BW-zeit ihrem Ende entgegen als wir erfuhren, daß wir Ende Dezember ein ,,Ausscheidergeld” von 1500 DM erhalten würden. Na Ja, besser als gar nichts.

Mein erster X

Es war nun schon November geworden und einige meiner Kameraden fuhren täglich nach hause. Eines Tages kam einer meiner damaligen Beifahrer zu mir und erzählte mir von einem silbergrauen X1/9 der bei einem  Gebrauchtwagenhändler steht. Er fuhr jeden Tag auf dem Weg zur Kaserne an ihm vorbei. Mit dem Wissen, da߸ ich bald 1.500 DM bekommen würde fuhr ich zu dem  Händler. Da stand er silbergraumetallic, ungeschweißt, BJ 1981, 85 PS und mit Felgen ohne Krebs drauf.

Im Büro des Händlers erklärte er mir, daß der Wagen 6.900 DM kostet aber er wegen mir auf 6.500 DM runtergehen würde. Als ich ihm meine  finanzielle Lage geschildert hatte machte er mir ein Finanzierungsangebot. Also unterschrieb ich einen Kaufvertrag bei dem ich noch 5.000 DM von seiner  Vertragsbank holte. Seit Dezember 1993 bin ich nun Eigentümer eines X 1/9. Zu dieser Zeit wohnte ich noch bei meinen Eltern. Kurz bevor ich das Auto abholen sollte erzählte ich meinen Eltern ich hätte mir ein Auto gekauft. Meine Mutter  reagierte gelassen.  Sie freute sich, daß sie den Jetta jetzt für sich alleine  hat. Sie wollte nur wissen welche Farbe das Auto hat.

Mein Vater war nicht so einfach zufriedenzustellen. ,,Ich hätte  dir doch bei der Suche nach einem Auto geholfen” sagte er. Ich sagte ihm, daß  er es wohl nicht zugelassen hätte, daß ich mir einen X 1/9 kaufe. Er wußte  nicht was ein X 1/9 ist. Ich beschrieb es ihm in zwei Wörtern “ein italienisches Mittelmotorsportwagencabriolet” sagte ich, worauf er an einen Ferrari dachte und sagte: „Du wirst schon sehen, daß du dir den nicht leisten  kannst.“

Tatsächlich stellte sich mein geliebtes Auto sehr anfällig heraus. Geduldig wurde der Wagen repariert und ich mußte viele Teile austauschen aber ich habe mein Auto geliebt. Ich schaffte es den laufenden Kredit innerhalb  eines  Jahres zurückzuzahlen.

Irgendwie bin ich dann auch an die Adresse von Franz Schnitzler  gekommen, wo ich allgemeine Teile bestellte.

Die Begegnung mit anderen X-Fahrern

Als ich dann ab Januar 1994 wieder voll arbeitete hatte ich schnell wieder ein paar Mark gespart (ich war es ja gewohnt mit 500 DM auszukommen). So entschloss ich mich meinen X mit einem Heckspoiler zu verschönern. Als er mir von Schnitzler geliefert wurde lag noch eine Einladung  zu einem X 1/9 Treffen bei. Es handelte sich dabei um das X 1/9 Treffen vom Bayern Club in Landshut.

Mir gefiel der Gedanke auch mal andere X zu sehen. Natürlich hoffte ich dort einige Fahrer aus meinem Umkreis zu treffen, denn nach einigen Monaten X – fahrens ist mir noch keiner begegnet. So meldete ich mich zu dem Treffen an.

Als ich dann noch in der Woche vor dem Treffen Urlaub bekam, plante ich mit ein paar Freunden nach Gunzenhausen an den Brommbachsee zu fahren um dort zu Zelten. Da ich begeisterter Surfer bin mußte mein Surfbrett natürlich mit. Meine Freunde fuhren mit einem Opel Kadett voraus (Das Surfbrett hatte ich auf dem X). Da der Opel eine ähnliche Dachrinne hatte machten wir aus, daß sie am Donnerstag mein Surfbrett wieder mit nach Hause nehmen würden,  während ich mich auf den Weg nach Landshut mache.

Weil ich nicht so schnell fahren wollte (mit dem Surfbrett auf dem Dach) fuhren sie mir bald davon. Doch schon bald hatte ich sie wieder eingeholt. Der Kadett war in Gunzenhausen stehengeblieben. Zum See hatten wir es noch ca.  30 Km. Einer von uns war zwar KFZ- Mechaniker aber was konnte der schon tun ohne Werkstatt und Werkzeug. Also entschlossen wir uns den Opel abzuschleppen und zwar mit dem X.

So fuhren wir also die letzten 30 Km zum See. Ein X 1/9 -mit Surfbrett auf dem Dach und einen Opel Kadett im Schlepptau.

Dort gab es einen Opel Händler der zum Glück feststellte, daß bei  der Lichtmaschine nur ein Kabel rausgerutscht war. Der Opel lief wieder, und wir hatten ein paar schöne Tage am See. Am Dienstag bemerkte ich, da߸ meine Gänge zu  krachen beginnen, obwohl ich die Kupplung ganz durchgetreten hatte. Da ich ja nun am Wochenende nach Landshut fahren wollte fuhr ich einfach mal in die Opel  Werkstatt.

Die Jungs dort waren echt auf Zack. Sie erklärten mir daß der  Kupplungsnehmerzylinder undicht sei, und entlüfteten ihn mir, damit ich noch weiterfahren konnte. Ich fuhr also zurück zum Zeltplatz und führte einige  Telefonate mit einer 20 Km entfernten Fiat Werkstatt sowie mit Franz  Schnitzler. Ich ließ meinen X bis Freitag stehen um die Kupplung nicht  herauszufordern.

Am Donnerstag Abend machten sich meine ,,Opel -Fahrer“ auf dem Heimweg. Der Versuch das Surfbrett auf den Opel zu packen scheiterte, weil der  Dachständer nicht passte. Nun stand ich vor der Entscheidung mit Surfbrett nach Landshut zu fahren, oder ca. 260 Km Umweg in kauf zu nehmen um mein Brett nach  Hause zu bringen. Ich entschloss mich das Brett einfach mitzunehmen. Ein Surfbrett auf einem Auto ist ja auch nichts besonderes – oder?

Am Freitag stand ich sehr früh auf, packte mein Zelt zusammen und  mein Brett auf den X und fuhr dann die 20 Km nach Weisenburg zur nächsten Fiat Werkstatt. Nachdem ich ihm am Telefon von meiner Not erzählt hatte erklärte er sich bereit am Freitag bereits um 7 Uhr anzufangen um meinen X zu reparieren.  Ich hatte Franz Schnitzler gebeten das Teil an diese Werkstatt zu senden. So konnte ich an dem schönen Treffen 1994 in Landshut teilnehmen – wo mein Surfbrett X die Attraktion war.

Die Begegnung mit anderen X-Fahrern aus meiner Umgebung

Es war ein schöner Sommertag, ich glaube es war Ende August, als ich gerade gemütlich mit meinem X durch Würzburg fuhr. Da ich ein wenig Hunger  verspürte kam mir als erstes Mc Donalds in den Sinn. Ich bog in den Parkplatz des Mc ein, da schimmerte es mir schon entgegen. Da stand ein X Mintgrün. Manche Anbauteile, wie Lüftungsgitter oder Plastikteile waren rosa lackiert. Ich  parkte meinen X direkt daneben und schaute mir dieses Teil gerade etwas genauer  an, da kam auch schon die Besitzerin. Natürlich kamen wir sofort ins Gespräch.  Sie  heißt Lina und ist Italienerin, sie kennt auch noch andere X-Fahrer. Da  sie aber nicht viel Zeit hatte, tauschten wir nur Telefonnummern aus und dann mußte sie auch schon wieder los.

Nachdem wir nun ein paarmal telefoniert hatten machten wir einen Zeitpunkt aus um uns mal mit den anderen X – Fahrern zu treffen. Wir trafen uns in Bernsfeld wo Lina und Frank eine Scheune gemietet hatten, in der sie u.a. X reparierten, unterstellten und schlachteten.

Nun hatte ich was ich wollte – Kontakt zu anderen X – Fahrern aus meiner Umgebung. Wir trafen uns oft und kurze Zeit später – im Herbst 1995  gründeten wir den X 1/9 Club Würzburg. Er bestand zwar bisher nur aus 3 Fahrzeugen nämlich Jochen, Klaus und mir, aber immerhin.

Wir trafen uns öfter mal beim Mc Donalds in Würzburg um zu besprechen wie es jetzt mit dem Club weitergehen soll. Dabei beschlossen wir selbst ein Treffen auf die Beine zu stellen um bekannt zu werden. So verschlug es uns nach Irmelshausen wo 1995 unser erstes Treffen stattfand.

Meinen X den ich mir im Dezember 1993 gekauft hatte habe ich übrigens immer noch…

Ingo Ruppe